Stille Geburten im Fokus: Ein schmerzhaftes Thema, das Aufklärung benötigt
Stille Geburten stellen für viele werdende Eltern einen traumatischen Einschnitt dar, der oft zu wenig Beachtung findet. Seit den Jahren 2020 bis 2022 gab es in Schleswig-Holstein 294 Totgeburten, und dies ist nur die Spitze des Eisbergs, wenn man die häufigeren frühen Fehlgeburten berücksichtigt. Laut dem Verband für verwaiste Eltern und trauernde Geschwister Schleswig-Holstein (VESH) hat jede fünfte Schwangerschaft mit einer Fehlgeburt zu kämpfen.
Ein Vorschlag für eine zentrale Anlaufstelle in Schleswig-Holstein
In der jüngsten Diskussion fordert der VESH die Schaffung einer Landesstelle, die nicht nur Informationen zur Verfügung stellt, sondern auch betroffene Eltern mit kompetenten Ansprechpartnern vernetzt. Diese Stelle könnte entscheidend helfen, um die psychologische Betreuung zu verbessern und emotionale Unterstützung anzubieten. Denn oft sind die Frauen, die betroffen sind, nach dem Verlust ihres Kindes medizinisch versorgt, doch die notwendigen psychologischen Ressourcen fehlen. Grothkopp, die Bildungsreferentin des VESH, stellt fest: "Viele Frauen wissen nicht, dass sie auch bei frühen Fehlgeburten Anspruch auf Hebammennachsorge haben." Diese Informationslücke ist besonders kritisch, denn sie kann den Trauerprozess erheblich beeinträchtigen.
Ärzte und Hebammen: Arbeiten für ein besseres Betreuungssystem
Eine weitere Forderung ist die bessere Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Hebammen. Viele Frauen werden direkt nach einem Verlust ausschließlich in den Operationssaal geschickt, ohne die Möglichkeit, eine selbstbestimmte Geburt zu erleben. Grothkopp kritisiert, dass in vielen Kliniken die Einsicht fehlt, dass stille Geburten oft besser zu behandeln sind, wenn Frauen in einem unterstützenden Umfeld wie ihrem eigenen Zuhause gebären können.
Die Bedeutung von Daten und Aufklärung
Eine systematische Erhebung aller stiller Geburten ist ein zentraler Punkt in der Forderung des VESH. Aktuell weiß niemand genau, wie viele dieser tragischen Ereignisse tatsächlich stattfinden. Die Körber Stiftung geht davon aus, dass ein erheblicher Teil der Frauen sich oft allein gelassen fühlt und nicht weiß, wo sie Unterstützung finden können. "Ein Umdenken in der Gesellschaft ist nötig, um das Bewusstsein für diese sehr schmerzhafte Realität zu schärfen," hofft Grothkopp.
Emotionale Begleitung: Das Wichtigste ist Zeit
Der Schmerz einer stillen Geburt ist unermesslich, und der Umgang damit variiert stark. Ellen Gillhoff, eine erfahrene Hebamme, hebt hervor, dass Frauen oft nicht genug Zeit gegeben wird, um Entscheidungen über ihre Erfahrung zu treffen. Das kann dazu führen, dass der Trauerprozess unterbrochen wird. "Wenn das Kind tot geboren wird, ist das mehr als nur ein medizinischer Fall. Jede Frau sollte das Recht haben, in Würde und begleitet von Fachkräften zu trauern," erklärt Gillhoff weiter.
Der Weg nach vorn: Handlungsmöglichkeiten und Lösungen
Die Schaffung einer Anlaufstelle ist nur der Anfang. Experten rufen dazu auf, eine offene Diskussion über stille Geburten und Fehlgeburten zu führen. Die Gesellschaft und das Gesundheitssystem müssen lernen, wie wichtig es ist, Frauen in dieser Zeit der Trauer zu unterstützen und ihnen zu helfen, ihre Erfahrungen zu verarbeiten.
Familien in Schleswig-Holstein, die mit solchen Verlusten konfrontiert sind, könnten von einer zentralen Anlaufstelle stark profitieren, die ihnen hilft, Antworten, Unterstützung und letztlich auch Frieden in diesen schwierigen Zeiten zu finden.
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